Ablauf einer Atemsitzung — vier Phasen, etwa zwei Stunden.
- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Ein ruhiger Überblick über die Methode: was in meiner Praxis passiert, wenn wir gemeinsam atmen.
Ein Überblick
Eine begleitete Atemsitzung dauert in meiner Praxis etwa zwei Stunden und besteht aus vier Phasen: Vorgespräch, aktives Atmen, Integration und Nachgespräch. Während der gesamten Zeit sitze ich bei dir — beobachtend, haltend, bremsend, ermutigend. Der Atem arbeitet. Ich halte den Raum.

1. Vorgespräch
Wir nehmen uns Zeit, bevor wir beginnen. Wie geht es dir gerade — körperlich, emotional, im Alltag? Gibt es ein Thema, das oben aufliegt? Oder kommst du ohne festes Ziel?
Das Vorgespräch ist nicht das Aufwärmen für das Eigentliche. Es ist bereits Teil der Arbeit. Wir geben dem Nervensystem eine erste Orientierung und stimmen das System ein — nicht wie eine Maschine, eher wie ein Instrument.
2. Aktives Atmen — etwa 60 Minuten
Du legst dich auf eine Matte, meistens liegend. Dann atmest du tiefer und schneller als gewöhnlich, stärker in den Brustraum. Mal durch die Nase, mal durch den Mund. Ohne starres Schema, ohne Stoppuhr, ohne Leistungsziel.
Das ist keine Entspannungsatmung und keine kontrollierte Bauchatmung. Es ist ein verstärkter Atemprozess, der in Richtung Hyperventilation gehen kann — getragen von dem, was sich in dir zeigen will.
Körperlich verändert sich durch das verstärkte Atmen etwas. Vereinfacht: Der präfrontale Kortex tritt zurück, andere Anteile bekommen Raum. Was dann auftauchen kann, ist sehr individuell: Traurigkeit, Wut, Lachen, Wärme, Kälte, Bilder, Erinnerungen. Oder ein langer Flow, in dem nicht mehr klar ist, wer atmet und wer geatmet wird.
Manchmal auch: scheinbar gar nichts. Auch das ist Teil des Prozesses.
3. Integration — etwa 20 Minuten
Nach circa 60 Minuten kommt die Phase des Nichtstuns. Du kommst in deinen natürlichen Atemrhythmus zurück, ich lege ausgewählte Musik auf. Du musst nichts: nichts denken, nichts erklären, nichts verstehen.
Meine Ausbilderin Regina nutzt ein Bild, das ich mag: ein Glas mit Kaffeesatz. Durch das Atmen wird alles aufgewirbelt — Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen. In der Integration setzt sich der Kaffeesatz wieder. Was bleibt, liegt klarer.
4. Nachgespräch
Nach den 20 Minuten gibt es Zeit zum Reden. Was ist passiert? Was hat sich gezeigt? Wo lässt sich das ins Leben übersetzen? Wir holen das Erlebte aus dem Raum heraus und in einen realen Kontext.
Das Nachgespräch ist mir besonders wichtig. Es trägt dafür Sorge, dass eine Erfahrung nicht nur stattgefunden hat, sondern in dein Leben weiterwirken kann.
Methodischer Rahmen
Meine Arbeitsweise habe ich bei Regina und Randolf Pleske gelernt. Sie steht in einer Linie mit dem, was viele unter holotropem Atmen (Stanislav Grof) oder Rebirthing (Leonard Orr) kennen. Entscheidend ist für mich weniger der Name — sondern der Rahmen: Vorgespräch, aktives Atmen, Integration, Nachgespräch.
Genug Struktur, damit du dich sicher fühlst. Genug Flexibilität, damit dein eigener Prozess Raum hat.
Wenn du tiefer verstehen willst, warum dieser Rahmen wichtig ist und was Atemarbeit für mich bedeutet: Was passiert eigentlich in einer Atemsitzung? Ein Blick hinter die Tür meiner Praxis.


